Gebete
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"
Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."
Von:
Margaret Fishback Powers
Copyright ©1964
Margaret Fishback Powers
Übersetzt von
Eva-Maria Busch
Copyright © der
deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen.
www.brunnen-verlag.de
In den Tag
Das folgende Gebet kann
eine Hilfe sein, den Tag in positiver Weise zu beginnen:
Herr, ich möchte es mir abgewöhnen, jeden Tag zu kritisieren,
negative Urteile zu fällen und anderen zu misstrauen,
mich abzukapseln und um mich selbst zu kreisen.
Herr, ich möchte es lernen, einfach zu lieben alle und alles und dich in allem!
Hilf mir zu beidem, damit du dich freust.
Am Abend sollten wir uns fragen, was es an Erfreulichem im Tagesablauf gab.
Vielleicht war es nur ein kleines und unscheinbares Erlebnis;
doch auch dieses enthält Stoff genug, um daraus ein Dankgebet zu formen.
Selbst das Misslungene sollte genau bedacht werden,
man kann auch aus Fehlern lernen, was doch wohl positiv wäre.
Friedensgebet
Herr,
mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert,
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich
trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern daß ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, daß ich geliebt werde, sondern daß ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
Frankreich 1913